# Pflegegrad bei psychischer Erkrankung: Depression, Angststörung, Autismus, Borderline, Demenz

> Welcher Pflegegrad bei Depression, Angststörung, Autismus, Borderline oder Demenz möglich ist, wie die Begutachtung läuft und worauf es beim Antrag ankommt.

Quelle: https://decari.de/wissen/pflegegrad-psychische-erkrankung  
Kategorie: Pflegegrad & Pflegekasse (https://decari.de/wissen/thema/pflegegrad-pflegekasse)  
Stand: 2026-07-29  
Zuletzt geprüft: 2026-07-24 von Steffen Regenhardt

## Das Wichtigste in Kürze

Auch psychische und kognitive Erkrankungen wie Depression, Angststörung, Autismus, Borderline oder Demenz können zu einem Pflegegrad führen. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern wie selbstständig Sie Ihren Alltag bewältigen (§ 14 SGB XI). Voraussetzung ist eine voraussichtlich mindestens sechs Monate dauernde Beeinträchtigung. Je nach Schwere sind Pflegegrad 1 bis 5 möglich.

Der Blick auf die Mobilität führt bei psychischen Erkrankungen in die Irre: Wer gehen, stehen und sich bewegen kann, wirkt im Antrag schnell selbstständig. Die Begutachtung prüft aber sechs Module, und Depression, Angststörung, Autismus, Borderline oder Demenz schränken meist mehrere davon ein.

Hinweis: In diesem Artikel geht es um den Pflegegrad. Zum Schwerbehindertenausweis und Grad der Behinderung (GdB) lesen Sie den [Leitfaden zum Schwerbehindertenausweis](https://decari.de/wissen/schwerbehindertenausweis-online-beantragen) und die [Übersicht der Hilfen für Menschen mit Behinderungen](https://decari.de/wissen/hilfeleistungen-behinderung).

## Welcher Pflegegrad ist bei psychischen Erkrankungen möglich?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten: Je nach Ausprägung ist jeder Pflegegrad von 1 bis 5 möglich. Bewilligt wird, was dem Unterstützungsbedarf im Alltag entspricht.

**Bei der Begutachtung wird nicht bewertet, welche Krankheit vorliegt, sondern wie selbstständig die betroffene Person ist** (§ 15 SGB XI). Deshalb ist es entscheidend, die konkreten Auswirkungen der Erkrankung auf den Alltag darzustellen: Was geht ohne Unterstützung nicht mehr?

Berücksichtigt werden nur Beeinträchtigungen, die voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen (§ 14 Abs. 1 SGB XI). Vorübergehende Krisen führen nicht zu einem Pflegegrad.

## So bewertet der Medizinische Dienst: die sechs Module

Die Begutachtung prüft sechs Lebensbereiche (Module). Psychische Erkrankungen schränken die Selbstständigkeit meist in mehreren Modulen ein, häufig in allen außer der Mobilität.

| Modul | Was bewertet wird | Gewichtung |
|---|---|---|
| 1. Mobilität | Haltung einnehmen, sich fortbewegen, Treppensteigen | 10 % |
| 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten | Orientierung, Entscheidungen treffen, Gespräche führen | 15 %* |
| 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen | Ängste, Antriebslosigkeit, Aggression, sozialer Rückzug, Selbstschädigung | 15 %* |
| 4. Selbstversorgung | Körperpflege, Essen und Trinken, Toilettengang | 40 % |
| 5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen | Medikamente einnehmen, Arzttermine wahrnehmen, Therapien umsetzen | 20 % |
| 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte | Tagesablauf gestalten, sich beschäftigen, Kontakte pflegen | 15 % |

\* Von Modul 2 und 3 fließt nur das Modul mit dem höheren Punktwert in die Berechnung ein (§ 15 Abs. 2 SGB XI). Gerade dieses Zusammenspiel macht die Begutachtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen fair: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen zählen ausdrücklich.

**Tipp:** Gehen Sie die Module in Ruhe durch und notieren Sie je Modul, wo die Erkrankung Unterstützung nötig macht. Das gibt eine erste Einschätzung, ob ein Pflegegradantrag Aussicht hat.

## Pflegegrad bei Depression

Bei einer Depression muss aus dem Gutachten hervorgehen, warum die Erkrankung die Selbstständigkeit einschränkt. Ein Beispiel:

- Frau Weber, 49, leidet an einer schweren Depression.
- Ohne Motivation durch ihren Mann verlässt sie das Haus nicht und verbringt den Tag im Bett.
- Körperpflege, Mahlzeiten und die Medikamenteneinnahme funktionieren nur, wenn ihr Mann mehrfach erinnert und anleitet.
- Soziale Kontakte, Einkäufe und Verwaltungsaufgaben übernimmt vollständig ihr Mann.
- Zur wöchentlichen Therapie muss sie gefahren und meist erst überzeugt werden.

Frau Weber wäre körperlich zu all dem in der Lage. Die Depression verhindert es dennoch, und zwar nicht als freiwillige Entscheidung. Damit liegen Einschränkungen in den Modulen 3 bis 6 vor; ein Pflegegradantrag ist klar begründbar.

Als grobe Orientierung, nicht mehr: Bei einer leichten bis mittelschweren Depression kommen Pflegegrad 1 bis 2 in Frage, bei einer schweren Depression mit starker Antriebslosigkeit und Vernachlässigung der Selbstversorgung auch Pflegegrad 3. Die Begutachtung kann im Einzelfall anders ausfallen.

**Komorbidität benennen:** Depressionen treten häufig zusammen mit körperlichen Erkrankungen auf, etwa nach einem Unfall oder Schlaganfall. Diese Kombination sollte im Gutachten ausdrücklich stehen. Sonst fokussiert sich die Bewertung auf die körperliche Erkrankung und übersieht die Depression.

## Pflegegrad bei Angststörung

Viele Menschen mit Angststörung bewältigen ihren Alltag mit therapeutischer Unterstützung selbstständig. Dann ist ein Pflegegrad unwahrscheinlich.

Anders bei schweren Verläufen: Wenn Vermeidungsverhalten, Panikattacken oder Erwartungsangst dazu führen, dass Einkäufe, Termine oder das Verlassen der Wohnung ohne Begleitung nicht mehr möglich sind, ist die Selbstständigkeit erheblich eingeschränkt. Dann kann die Pflegekasse eine Pflegebedürftigkeit feststellen.

Als grobe Orientierung: Bei ausgeprägten Angststörungen ohne weitere Erkrankungen kommen Pflegegrad 1 bis 2 in Frage, bei schweren Verläufen mit starkem Vermeidungsverhalten und sozialem Rückzug auch Pflegegrad 3.

## Pflegegrad bei Demenz und Alzheimer

Bei Demenz ist je nach Stadium jeder Pflegegrad möglich. Die Module 2 und 3 bilden die kognitiven Einschränkungen und Verhaltensänderungen direkt ab.

- **Leichte Demenz**: Termine und Namen werden vergessen, komplexere Aufgaben wie Finanzen gelingen nicht mehr; das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen. Häufig Pflegegrad 1 bis 2.
- **Mittelschwere Demenz**: Vertraute Personen und Orte werden zeitweise nicht erkannt, dazu Unruhe, Stimmungsschwankungen oder Weglauftendenz. Häufig Pflegegrad 3 bis 4.
- **Schwere Demenz**: Sprachliche Verständigung kaum noch möglich, vollständige Übernahme der Selbstversorgung nötig. Häufig Pflegegrad 4 bis 5.

## Pflegegrad bei Autismus

Autismus umfasst verschiedene Formen, vom frühkindlichen Autismus bis zum Asperger-Syndrom. Ob und welcher Pflegegrad in Frage kommt, hängt von den konkreten Einschränkungen ab.

Ein Pflegegrad ist wahrscheinlich, wenn die betroffene Person ihren Alltag nicht ohne Unterstützung strukturieren kann, sich zeitlich oder räumlich schwer orientiert, Risiken nicht erkennt oder auf ständige Begleitung in Schule, Arbeit oder Familie angewiesen ist. Auch abwehrendes Verhalten und nächtliche Unruhe, die Betreuungspersonen erfordern, sprechen für einen relevanten Unterstützungsbedarf. Bei Kindern vergleicht die Begutachtung die Selbstständigkeit mit gleichaltrigen Kindern ohne Beeinträchtigung.

## Pflegegrad bei Borderline

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung schränkt den Alltag der Betroffenen und ihrer Angehörigen oft erheblich ein. Eine pauschale Zuordnung zu einem Pflegegrad gibt es nicht; entscheidend ist der Betreuungsbedarf im Einzelfall.

Machen starke Stimmungswechsel, Impulsivität oder selbstverletzendes Verhalten eine engmaschige Betreuung notwendig, ist ein Pflegegrad ab 3 möglich. Borderline tritt zudem häufig zusammen mit Depressionen, ADHS oder Essstörungen auf. Alle Erkrankungen zusammen bestimmen den Unterstützungsbedarf und sollten vollständig in die Begutachtung einfließen.

## Pflegegrad beantragen: Ablauf und Fristen

Grundsätzlich gilt: lieber zu früh beantragen als zu spät. Nicht selten wird schon beim ersten Antrag Pflegegrad 2 oder 3 bewilligt; der Bedarf bestand dann meist schon länger.

1. **Antrag bei der Pflegekasse stellen**: formlos bei der Pflegekasse Ihrer Krankenkasse, telefonisch oder schriftlich. Wie das geht, zeigt der [Überblick zum Pflegegrad](https://decari.de/wissen/pflegegrad-pflegeversicherung).
2. **Begutachtungstermin**: Der Medizinische Dienst (MD), bei privat Versicherten MedicProof, begutachtet in der Regel zu Hause und geht dabei alle sechs Module durch.
3. **Bescheid**: Die Pflegekasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang schriftlich entscheiden (§ 18c SGB XI). In der Praxis dauert es je nach Region teils deutlich länger.
4. **Bei Ablehnung oder zu niedriger Einstufung**: Innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Fordern Sie zuerst das vollständige Gutachten an; ärztliche Stellungnahmen und ein Pflegetagebuch stützen die Begründung. Gerade psychische Erkrankungen werden häufig zu niedrig eingeschätzt, ein Widerspruch kann sich lohnen.

Gut zu wissen: Fällt die Einstufung niedriger aus als erwartet, können Sie jederzeit einen Höherstufungsantrag stellen, sobald sich der Unterstützungsbedarf erhöht. Eine Wartefrist gibt es nicht.

### Entschädigung bei Fristüberschreitung

Hält die Pflegekasse die 25-Arbeitstage-Frist nicht ein und hat sie die Verzögerung zu vertreten, steht Ihnen für jede angefangene Woche der Überschreitung eine Entschädigung zu (§ 18c Abs. 2 SGB XI). Ausnahme: Die antragstellende Person wird bereits vollstationär gepflegt und hat mindestens Pflegegrad 2.

| Betrag | Grundlage | Stand |
|---|---|---|
| 70 Euro je angefangene Woche Fristüberschreitung | § 18c Abs. 2 SGB XI | 07/2026 |
| 278 Euro monatlicher Höchstbetrag der Pflegekasse bei vollstationärer Betreuung in Einrichtungen der Behindertenhilfe | § 43a SGB XI | 07/2026 |

## Begutachtung vorbereiten: Tipps bei psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind für Außenstehende schwerer erkennbar als körperliche. Umso wichtiger ist es, die Auswirkungen auf den Alltag greifbar zu machen:

- **Pflegetagebuch führen**: Notieren Sie über zwei bis drei Wochen mit Datum und Uhrzeit, welche Unterstützung nötig war (erinnern, anleiten, motivieren, übernehmen). Das gibt der Gutachterin oder dem Gutachter ein realistisches Bild.
- **Vertraute Person einbeziehen**: Mindestens eine angehörige Person sollte beim Termin dabei sein. Sie kann Aussagen ergänzen und einordnen. Auch eine Pflegefachperson oder Pflegeberatung darf teilnehmen.
- **Gespräch unter vier Augen erbitten**: Angehörige können mit der Gutachterin oder dem Gutachter kurz allein sprechen. So lassen sich Dinge ansprechen, die vor der betroffenen Person schwer zu sagen sind.
- **Schlechte Tage schildern**: Viele Betroffene zeigen sich beim Termin aus Scham möglichst selbstständig. Sprechen Sie deshalb bewusst auch über die schlechten Tage; das Pflegetagebuch hilft dabei.
- **Medizinische Unterlagen bereithalten**: Arztberichte, Klinikberichte und Therapienachweise belegen Ihre Schilderungen.
- **Hilfsmittel und Unterstützungsbedarf ansprechen**: Was würde den Alltag erleichtern? Wird es im Gutachten vermerkt, fällt die spätere Kostenübernahme durch die Pflegekasse leichter.

## Rechtliche Grundlagen

Seit der Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum Januar 2017 erfasst das Gesetz alle Ursachen von Pflegebedürftigkeit gleichrangig: körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen (§ 14 SGB XI). Die Begutachtung bewertet in sechs Modulen die Selbstständigkeit (§ 15 SGB XI); kognitive Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen sind eigene Module.

Leistungen der Pflegeversicherung können grundsätzlich zusätzlich zur Eingliederungshilfe bezogen werden. Für Menschen, die vollstationär in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben, zahlt die Pflegekasse einen begrenzten Zuschuss an die Einrichtung (§ 43a SGB XI, Betrag siehe Tabelle oben).

## Quellen

1. [§ 14, § 15, § 18c und § 43a SGB XI](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/)
2. [Medizinischer Dienst: Pflegebegutachtung](https://www.medizinischerdienst.de)

## Häufige Fragen

### Welcher Pflegegrad ist bei Angststörung und Depression möglich?

Je nach Schwere sind meist Pflegegrad 1 bis 3 möglich. Entscheidend ist, wie stark die Selbstständigkeit im Alltag eingeschränkt ist, nicht die Diagnose selbst.

### Bekommt man bei einer Depression einen Pflegegrad?

Ja, wenn die Depression die Selbstständigkeit im Alltag voraussichtlich für mindestens sechs Monate erheblich einschränkt, etwa bei Körperpflege, Ernährung oder Tagesstruktur (§ 14 SGB XI).

### Welcher Pflegegrad ist bei Demenz möglich?

Bei Demenz ist je nach Stadium jeder Pflegegrad von 1 bis 5 möglich. Die Begutachtung bewertet kognitive Fähigkeiten und Verhaltensweisen ausdrücklich mit.

### Wie schnell muss die Pflegekasse über den Antrag entscheiden?

In der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang (§ 18c SGB XI). Überschreitet die Pflegekasse die Frist aus eigenem Verschulden, steht Ihnen eine Entschädigung je angefangener Woche zu.

### Was kann ich bei einer Ablehnung tun?

Sie können innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Fordern Sie dafür das vollständige Gutachten an und begründen Sie den Widerspruch mit ärztlichen Unterlagen.

### Zählt bei der Begutachtung die Diagnose oder der Alltag?

Der Alltag. Der Medizinische Dienst bewertet in sechs Modulen, wie selbstständig die betroffene Person ist. Die Diagnose erklärt die Einschränkungen, die Punkte ergeben sich aus dem Unterstützungsbedarf.

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_Dieser Artikel dient Ihrer Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Decari GmbH erbringt keine Rechtsdienstleistungen im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG). Wir zeigen Ihnen, welche Leistungen in Ihrer Situation allgemein in Frage kommen können, und helfen bei der Vorbereitung der Anträge. Die bereitgestellten Informationen können eine individuelle Beratung durch eine/n qualifizierte/n Rechtsanwalt/-anwältin nicht ersetzen. Über die Bewilligung entscheidet in jedem Fall der zuständige Träger._

_Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die redaktionelle Verantwortung trägt die Decari GmbH._
